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Tina Winkhaus kreiert Phantasmen, Szenarien wie aus anderen Welten. Bilder von bedrückender Klarheit, die etwas Wunderliches beim Betrachter hinterlassen. Werke, in denen die Figuren in bildgewaltigen Settings wandeln – in Unterwelten, dunklen Wäldern wie vor weiten Himmeln zu schweben scheinen.
Diese Arbeiten entstehen in aufwendigen Collagen. Eine penible Detailarbeit beim Zusammenführen unterschiedlicher Ebenen und Sequenzen, die zu einer Komposition geformt und dann zum fertigen Bild wird. Dabei ist der Duktus immer von großer Klarheit getragen, ohne jemals die Essenz, die Aussage des Kunstwerks, in einer metaphorischen Überlegenheit zu ertränken. Es sind mutige Bilder. Es sind Bilder, deren Leuchtkraft an Caravaggio erinnern lassen sowie an die exzentrische Sonderlichkeit eines Hieronymus Bosch.
In ihren Portraits inszeniert Winkhaus ihre Protagonisten zumeist ohne sich aufwendigeren Accessoires oder Hintergründen zu bedienen. Diese Arbeiten sind pur – noch klarer und reiner. Sie wirken trotz Inszenierung direkter und unverstellt, wie eine Aufforderung hinzusehen. Das ist gewollt und bei Winkhaus zudem so. Die Inszenierung ist ihr Stilmittel. Das Angehaltensein den Blick zu vertiefen ihr Anliegen.

Ihre Portraits sind mehr als künstlerische Sprache. Es geht um den Mensch oder das Tier. Es geht um das Wesen an sich und besonders darum, es in seiner einzigartigen Wesenheit abzubilden. Dabei bedient sich Winkhaus noch betonter ihrer ohnehin schon subtilen und zugleich exzentrischen Bildsprache.
Dabei geht die Künstlerin sehr behutsam an die Themen heran, an ihre Protagonisten, an die Welten, die sie erstellt. Sie arbeitet Detailversessen sowie mit einem liebevollen Blick für die Eigenart, die das Portrait zu dem macht, was es sein soll: einem Abbild – von einem Außen und dem Inneren eines Wesens.
Dieses Mischverhältnis von Hülle und Sein bleibt dem Portraitierten oft verschlossen, weil er den Blick für sich nicht unverstellt öffnen kann. Winkhaus kann das. Und darum geht es ihr. Die Eigenarten, Besonderheiten, die Feinheiten zwischen Schönheit und schön sein. Dafür hilft Winkhaus medial nach, wenn es darum geht, dass nicht zugängliche Innen in einem Außen sichtbar werden zu lassen. Dann scheinen zum Beispiel die Proportionen der Körper nicht richtig zu stimmen, die Hände nicht zum Alter der Figur oder die Gliedmaßen sind so bearbeitet, dass man meinen möchte sie gehören nicht dazu. Aber dann erst ist das Bild fertig. Dann stimmt alles. Weil durch das Verändern einzelner Elemente etwas Ganzes entsteht – die Essenz. Nur der Betrachter, der wundert sich. Und genau das ist Winkaus’ Moment: wenn das Gefühl das Entrücktseins entsteht. Dann wenn sich zu etwas Bekanntem oder gar Vertrautem das Gefühl des Wunderlichen gesellt obwohl die Komposition keinen Zweifel lässt, dass alles stimmt. Dafür braucht es nicht nur Chuzpe und einen untrüglichen Blick für Wesentliches, sondern vor allem auch Behutsamkeit.
Und so sind auch ihre Tierportraits Portraits und keine Tierbilder. Weil sie das Wesen impliziert in die Bilder, in die Komposition.

Um Winkhaus’ Absichten zu erleben braucht es etwas Zeit. Der erste Blick erschließt ihre Arbeit nicht. Man muss sich einlassen, darauf zugehen, hinsehen.
Winkhaus’ Bilder sind ohnehin nicht für den Augenblick. Sie haben Nachhall. Ob überladene Kompositionen oder das reine Portrait, der Moment des zweimal Hinsehens ist die Absicht dahinter. Quasi die Manipulation für ein Weiterschauen und immer wieder hinschauen. Diese Spannungsbögen machen ihr Werk so besonders, so bedingungslos wahrhaftig. So, dass man mehr als den Moment des Wunderns davor verweilen mag.

EIN MOMENT EWIGKEIT, PORTRAITS VON WINKHAUS

ERÖFFNUNG: DONNERSTAG 10. NOVEMBER, 19H | AUSSTELLUNG BIS 2. 12.2016
SEVEN STAR GALERIE, GORMANNSTR 7, BERLIN MITTE

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