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Tina Winkhaus zeigt mit ihrer Arbeit ETERNAL SADNESS unverstellt und an der Grenze des Aushaltbaren, den schmalen Grad der uns umgebenden Doppelmoral. Sie spielt mit den äußerlichen Zwängen des Erfolgsmodells einer kindhaften Lolita und den Attributen des Lustobjektes Kind.

Tina Winkhaus führt den Blick des Betrachters hinter die scheinbar perfekten Hüllen. Sie offeriert das Ausmaß seelischer Misshandlung, die Traurigkeit und Einsamkeit derjenigen, die verloren sind in einer Welt, zu der sie noch gar nicht gehören, weil sie ihnen nicht passt. Kinder, die keine mehr sein dürfen und als erzwungene Abbilder der Erwachsenen fungieren, die sich selbst aus dem Blick verloren haben.

Eine Arbeit, die an die Substanz geht und für die man sich fremdschämt, sobald man in die Welt hinter die Kulissen geführt wird.
Die Fotografin zeigt bis ins Detail durchgestylte Mini-Models, deren leerer Ausdruck der Augen im Moment der Erschöpfung wie Metaphern für die Sinnlosigkeit des Puppen-Wahn stehen. Gelangweilte Blicke die wie zugedröhnt wirken, die das Stillhalten und Aushalten schmerzlich manifestieren sowie einstudierte Posen, die so aufreizend sind, dass sie beim Betrachter Erschrecken und Unbehagen evozieren.

Tina Winkhaus bringt mit ihrer Arbeit den Betrachter an den Rand des „guten Geschmacks“ und konfrontiert ihn mit Einheitsbrei und für die Massen taugliche Schönheitsvorstellungen. Somit verschwinden die Individuen, die kleinen Unterschiede und jegliche Form von Charakter und Ausstrahlung – und an allererster Stelle das Kind selbst.

Was bleibt ist eine Hülle aus pinkem Tüll, Haarspray und bunter Schminke. Das Kind muss gehen und eine kranke Phantasie wird kreiert. Somit fungiert in ETERNAL SADNESS das Kind als Symbol für die Minderheiten und Andersartigen in unserer Wegwerfgesellschaft sowie für die Opfer der Wettkampfgeneration.

Die Serie ETERNAL SADNESS verbildlicht den Wahn nach ausdrucksloser Perfektion, der wahnwitzigen Vorstellung von Schönheit und die Sinnlosigkeit jeglichen Gleichmachens.
Resultierend aus diesen bildlichen Stigmata entsteht die Problematik des Klischees, das Kinder zu Objekten der Begierde werden lässt. Auch wenn dies einer der letzteren Gedanken der Künstlerin beim Herangehen an diesen Arbeitsprozess war, so kommt doch jedem Betrachter die Frage nach dem Kind als Lustobjekt in den Sinn. Zu sehr drängt sie sich beim Anblick der überschminkten Kindergesichter auf. Denn die Tatsache, dass diese Bilder mit den Phantasien kranker Obsessionen zu spielen in der Lage sind, besteht ohne Zweifel.

Auch hier scheinen die Grenzen zwischen Obhut und Begierde fließend zu sein und stehen charakteristisch für eine Welt, in der das Selbständigsein propagiert und die Fürsorge vergessen wird.

ETERNAL SADNESS versteht sich als Spiegel, als Aufforderung, den Blick auf das zu richten, was unsere nivellierende Gesellschaft mit sich bringt. Die Arbeiten von Tina Winkhaus hinterfragen diesen Wahnwitz, wollen ihn aufdecken und machen den Betrachter automatisch zum Mittäter, weil man hinguckt und nicht anders kann.

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Fotografien: Tina Winkhaus